JOHANNA SUMMER – DIALOGE (ACT 8024-2)

johanna summer

Als ich Johanna Summer kennengerlernt habe, vor einigen Jahren für ein spezielles Sendungskonzept, da wollte sie auf keinen Fall in die Jazzkiste eingesperrt werden. „Im empfinde mich nicht als Jazzmusikerin“, sagte sie damals schon, damals veröffentlichte sie auf einem Jazzlabel, trat in Jazzclubs auf, sitzt in einer Jazzjury für den Nachwuchs.

Angekündigt wurde sie seit ihrem ersten Album trotzdem als „Jazzpianistin“ – auch eine Plattenfirma braucht ein Label für ihre KünstlerInnen, aber dieser Stempel braucht auch den gewollten breiten Horizont, um das Produkt interessant zu machen. Diesen Freiraum hat Johanna von Anfang an bekommen und lustvoll (aus)genutzt. Gleichzeitig hat dier Plattenfirma ACT ihr Repertoire seit einiger Zeit klassisch erweitert – wo sind mögliche Schnittmengen zwischen Bach, Beethoven, Schubert, Strawinski und Co mit den Improvisationen des Modernen Jazz?

Johanna, die auch klassisch ausgebildet ist, hat sich immer schon inspirieren du locker leiten lassen von den Giganten vergangener Jahrhunderte, auf ihrem neuen Album „Dialoge“, das sie mit den klassischen PianistInnen Claire Huangci, Danae Dörken und Igor Levit und mit dem britischen Allrounder Kit Armstrong (ein)gespielt hat. Geprobt oder abgesprochen wurde nichts, gespielt wurden Dialoge im Wortsinn, Dialoge, die stattfinden können zwischen KünstlerInnen, die ganz unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen haben, aber dasselbe suchen – größtmögliche Freiheit m Schmelztiegel zwischen komponierter und improvisierter Musik, zwischen Klassik und zeitgenössischem Jazz.

Über eine Bühnenbegegnung mit Igor Levit sagt Johanna Summer, „ich habe mich selten so frei und gleichzeitig so sicher auf der Bühne gefühlt wie mit ihm“. Das klingt nach großem Glück und gleichzeitig sagt Johanna Summer, die grade mal 30 ist, Musik müsse gefährlich sein. Denn auch das neue Album „Dialoge“ ist ein gefährliches Terrain. Ein Experiment, die eigenen Grenzen auszuprobieren und im besten Fall zu ignorieren oder neu zu definieren. „Wenn ich auf die Bühne gehe“, sagt Johanna Summer, „dann nicht um Jazz zu spielen, sondern um Musik zu machen, wie ich glaube, dass es grade sein muss.“  

Auf diesem Album ist das wunderbar gelungen. Wer sich in Gefahr begibt, entdeckt sich neu. Und das gilt auch für das Publikum. 25 Miniaturen solo oder im Dialog verzaubern.

Johanna Summer: Dialoge

CD / Vinyl (LP, 180g) / digital 

Johanna Summer piano
Claire Huangci piano
Danae Dörken piano 
Kit Armstrong piano
Igor Levit piano

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