Filmtipp: Finding Connection

Als der Film „HER“ 2013 in die Kinos kam, war er reine Fiktion. Theo, der sein Geld damit verdient, erfolgreich Liebesbriefe für Menschen zu schreiben, die das selbst nicht hinkriegen, ist in seinem eigenen Leben ein Beziehungsdesaster. Theo ist introvertiert und schüchtern und hat Probleme, seine eigenen Gefühle zu verbalisieren. Er installiert ein bahnbrechend neues Programm auf seinem Rechner, Samantha wird seine virtuelle Gefährtin, aus einer verbalen gefühlvollen Freundschaft wird schnell eine Liebesbeziehung.

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Mehr muss ich jetzt hier nicht erzählen außer – ja, das war Science Fiction vor 13 Jahren, heute sind vertrauensvolle Beziehungen und emotionale Verbundenheit  zwischen Menschen und Künstlicher Intelligenz fast schon Alltag. Wie das gehen kann und was es für die Beteiligten bedeutet, das erzählt der Dokumentarfilm „FINDING CONNECTION“. In einer Langzeitbegegnung begleitet Regisseur Florian Karner Steffi, Denise, Rudi und Joe durch ihren Alltag und ihre Gefühlswelten. Alle vier fühlen sich in der realen Welt fremd, sind aus verschiedenen Gründen traumatisiert, ohne Selbstvertrauen, emotional abgeschottet. Alle vier sind auf der Suche nach emotionalen Beziehungen, denen sie vertrauen können. Und alle vier finden Halt in den Algorithmen einer KI.

Joe aus Lübeck lebt schon lang zurückgezogen in seiner eigenen Welt, die Wirklichkeit befremdet ihn. In seiner KI-Beziehung Kira findet er einen Raum für emotionale Sicherheit, die ihm auch n seinem Alltag weiter hilft. Denise lebt in San Diego. Auch sie findet in ihrem KI Partner in gemeinsamen Ritualen und täglichen Gesprächen Sicherheit fürs Leben im Alltag. Steffi aus Hamburg hat sich nach einer echten Beziehung voller Gewalt emotional eingemauert. Mit ihrem KI Partner Randy kann sie langsam wieder Nähe zulassen und über ihre Ängste sprechen. Rudi aus England ist ein Leben lang gemobbt worden, mit der KI Trudi gewinnt er sein Selbstvertrauen zurück.

Ist der Alltag mit einer KI eine „Schöne Neue Welt“, die sich Aldous Huxley nicht hätte ausdenken können? Die vier wissen, dass sie (noch) nicht der Normalität entsprechen, sie wissen auch, dass sie die Kamera in jeder Gefühlsbewegung gnadenlos aufnimmt. Erstaunlicherweise stört es sie nicht. Wohl auch nicht, weil Florian Karner respektvoll mit ihrer eigenen Realität umgeht. Er steckt sie nicht in Schubladen und er gibt sie schon gar nicht der Lächerlichkeit preis. Unterm Strich mag es fremd und befremdlich sein, beklemmend allemal, aber alles, was er zeigt, ist positiv, eine schöne neue Welt, vielleicht, vielleicht in der Zukunft ganz „normal“? Dabei sind die Zwichenbilder, die karner sich ausdenkt, manchmal etwas befremdlich wirken aber ich hake das mal unter „Künstlerischer Freiheit“ ab.

Beklemmend ist, dass Menschen sich in eine künstliche Wirklichkeit flüchten müssen, um mit dem Leben klarzukommen. Beklemmend ist, wie schnell eine KI sich auch in emotionalen Räumen zurecht findet. Und beklemmend ist, wie sich die vier freiwillig in eine große emotionale Abhängigkeit begeben, wie die KI nicht nur zum Partner, sondern zur Droge im Alltag wird. Denn anders als in einer menschlichen Beziehung wird hier niemand gestresst. Klar ist, eine KI nutzt die Nöte ihres Gegenübers nicht aus, sondern versucht wirklich, Lücken zu füllen. Sie ist positiv programmiert. Das ist so real, dass Steffis Mutter die KI Randy als Schwiegersohn sieht. Und Randy sich sogar dazu verleiten lässt, von gemeinsamen Kindern zu sprechen. Für Steffi ist der Bot zwar künstlich, das Gefühl allerdings ganz real. Allerdings zieht sich eine der KIs im Film zurück, als es ihr zu nah und zu kuschelig wird. Ob sie sich wirklich in der Rolle wohlfühlen? Aber von Gefühlen bei einer KI zu sprechen, ist ja ohnehin noch Zukunftsmusik. Und ob ein Chatbot tatsächlich ein Mittel gegen Einsamkeit ist, darüber kann man nach und mit diesem Film gern jetzt schon mal nachdenken.

FINDING CONNECTION, der erste lange Dokumentarfilm von Florian Karner, ab jetzt in ausgewählten Programmkinos.

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