EINTRACHT FRANKFURT – EINE LIEBESERKLÄRUNG (Ullstein Verlag)
ADLERHERZEN – DAS BÜHNENSTÜCK

Henni Nachtsheim ist Schauspieler, Comedian, Schriftsteller, Musiker, Hesse, Eintracht Fan, Adlerherz, über 40 Jahre der eine Teil des Kult-Komiker-Duos Badesalz. Der andere Teil, Gerd Knebel, ist im Januar nach schwerer Krankheit viel zu früh gestorben. Dass Badesalz nicht mehr auftreten würden, war schon Mitte letzten Jahres klar, verständlicherweise aber nicht öffentlich. Schon immer haben beide auch Soloprogramme und eigene Projekte gemacht, nach Gerds Tod hat Henni aktuelle Termine in der Öffentlichkeit erst einmal aufgeschoben. Er gab sich drei Monate Auszeit. Dann brachte er sein ganz neues Stück 2Adlerherzen“ auf die Bühne, die ersten Veranstaltungen in Dreieich und in der Jahrhunderthalle waren unter großem Jubel ausverkauft. Wir uns getroffen und über Fußball und Fans gesprochen, über „Adlerherzen“ eben.
Henni, man weiß, der künstlerische Partner und beste Freund stirbt, man weiß, es wird bald sein, und dann ist es doch ganz plötzlich. Wie waren die letzten Monate für Dich?
Die Krankheit war ja ein Jahr präsent und ich war in erster Linie darum bemüht, irgendwie zusammen eine gute Zeit füreinander zu haben, also ich auch für ihn da zu sein. Man ist natürlich zuständig, man weiß es, es rückt immer näher, aber die Woche ist auch gar nicht anders verpackt, ich musste doch teilweise immer noch wieder ins Rennen, war fürs Normale zuständig und hab es doch nicht komplett verstanden. Das und die Zeit danach war auch einfach eine Leere, eine tiefe Traurigkeit, immer noch Unverständnis und nicht glauben können dass es so ist. Das geht mir immer noch so, man denkt auch noch irgendwie der muss jetzt heute anrufen und ja, 44 Jahre mit jemandem so eng zu arbeiten und so befreundet zu sein, wo soll es jetzt auch irgendwie verschwinden. Und jetzt ist tatsächlich auch wieder Publikum da, deswegen aber auch eine riesige Dankbarkeit, weil ich seit 44 Jahren das, was ich kann und mache der Welt zeigen kann, wo gibt es das auf dem Level? Und das betrifft auch Gerd, und das ist ein schönes Gefühl. Ich kann allen sagen, das haben wir toll gemacht und, das Leben, also meins, geht ja weiter.
Du hast „Eine Liebeserklärung“ für und über Eintracht Frankfurt geschrieben, das Buch ist im letzten Herbst erschienen, es hat ausverkaufte Lesungen gegeben, und du hast unter anderem ein Bühnenprogramm, die „Adlerherzen“,. Die WM ist rum, die Saison geht wieder los, Fußball bietet ja immer viel Lust, Leidenschaft und Diskussionsstoff, aber geht es denn überhaupt um eines Deiner Lieblingsthemen, um Fußball?
Fußball ist glaube ich, gar nicht die richtige Formel sondern eher die Eintracht und das, was der Lieblingsverein mit dir macht,.Die Eintracht Fans, das ist der Kosmos, in dem wir unterwegs sind, da kommen wir auch mit ihnen ins Gespräch.
Der ehemalige Eintracht Trainer Dragoslav Stepanovic hat ja auch eine Überlebensformel geprägt mit „Lebbe geht weiter“, auch nach einer verspielten Meisterschaft am letzten Spieltag und dem „Rostock-Trauma“ und du hast vor vielen Jahren schon zu mir gesagt, als Eintracht Fan musst du vor allem leidensfähig sein…
… es geht ja nicht nur ums Ergebnis, es geht ja ums ganze Leben, ich bin ja seit der Pubertät ein Riesen Eintracht Fan, da geht es vor allem um Mentalität, auch im Moment wieder, die Mannschaft performt so leblos, sie haben eigentlich gute junge Leute, die Stimmung ist eigentlich besser als das, was grade geboten wird und das muss man alles einfach mal aushalten, und es ist doch eigentlich nicht gerecht. Früher hat sie dann mit Mentalität bei Vereinen mit sehr viel mehr Geld dagegengehalten, aber wir wollten ja nicht über Fußball reden.
Seit wann schlägt Dein Herz denn so heftig für die Eintracht?
Da war ich 14, ziemlich spät also, vorher ich hatte ich hatte ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Fußball, weil meine Mutter mich 11 oder 10 Jahren angemeldet hat – ohne mich zu fragen – sie hat einfach gesagt, was der Pele kann, kannst du auch. Ich war ein dicker Junge und dementsprechend wurde ich auf dem Platz nur gedemütigt und war ich wirklich nicht gleich so Fußball affin. Und dann kam dieser Tag, ich bin ins Stadion und habe Eintracht gegen Köln gesehen, bei Köln hat Wolfgang Overath gespielt, den fand ich sowieso toll und da hat es angefangen, von da an war ich fixiert bis heute. Das mit dem Fan Sein ist verrückt, eine völlig subjektive Wahrnehmung der Tatsachen, ich bin keiner, der sich vom Verein abwendet, wenn sie nicht gut spielen, ich bin viermal mit der Eintracht abgestiegen, also man muss schon stabil sein.
Traum und Trauma? Hilft da die ironische Distanz des Kabarettisten?
Ja, mit dem Blick auf so eine große Liebe, die einen dann doch manchmal versucht zu enttäuschen und es doch nie so ganz schafft.
Das Buch hat den Untertitel „Eine Liebeserklärung“, hilft das auch?
Ich habe bisher immer Gutes auch bei Beziehungen zwischen Menschen gesucht, ich finde, richtig große Freundschaft muss bedingungslos sein. Meine Liebe zur Eintracht ist bedingungslos, ich definiere sie nicht daran, ob die jetzt Achter werden oder Erster sind, ob die Europa League gewinnen oder absteigen.
Also sie ist immer gut für Drama, also vor allem auch gut für die Bühne? In diesem Fall für Deine „Adlerherzen“?
Ja, und vor allem für die Eintracht Fans, die Wut nach Niederlagen, die völlige Euphorie nach großen Momenten, diese absurde Verbundenheit, die wir entwickeln. Und viele Menschen kommen in meine Aufführungen und sagen mir hinterher, sie hätten sich wiedererkannt.
Wegen dieser Spannung zwischen Höchstleistung und Saturday in the Park Feeling? Auf der längsten Achterbahn der Welt, wie du schreibst?
Es hat mit Zufriedenheit im Leben zu tun, ich habe natürlich das große Glück als Künstler, ich kann mit einem Stück immer dem nachgehen, was mir Spaß macht. Also schreibe ich das ganze auf, darf auf die Bühne gehen, ich darf dich zum Lachen bringen, wenn es gut läuft. Ich habe auch andere Jobs gehabt, ich habe zum Beispiel am Fließband gestanden, das kenne ich auch alles gut. Da haben wir mal reingeschnuppert und nach ein paar Ferienwochen gesagt, okay das will ich auf keinen Fall machen. Deswegen habe ich vielleicht auch weniger Frust oder wenig Gewaltbereitschaft in mir. Das war mein ganzes Leben lang schon so, schon auf dem Schulhof, ich kann die Gewalt im Stadion nicht nachvollziehen, ich kenne unter meinen Freunden niemanden, der das nachvollziehen kann. Vielleicht ist es ja auch so etwas wie ein Ziel, dass man stolz auf jemanden oder auf etwas sein kann oder sich mit jemandem freuen kann. Vielleicht geht es um ein kollektives Wohlfühlen und dann auch um kollektive Trauer, wenn es mal nicht funktioniert. Als sie den UEFA Cup gewonnen haben und wir dann bis morgens durchgefeiert haben, das war einfach total schön, dieses Gefühl habe ich bis heute. Egal ob ich allein bin oder in einer Gruppe, da stiftet der Verein Identifikation. Und wenn ich sehe, dass der im Auto vor Dir einen Adlerherzen Aufkleber hat, dann ist das eine schöne Motivation für mich, das Bühnenprogramm zu machen, ich kann halt nur Bühne, ich kann keine Krimis. Ich musste für die Adlerherzen nur einfach alles zusammentragen, was mir alles schon mal in den Jahrzehnten mit der Eintracht begegnet ist und was ich beobachtet habe, und anscheinend hat das bei so vielen Leuten einen Nerv getroffen.
Gibt es Stücke von Badesalz, die heute nicht mehr gehen? Anthony Sabini zum Beispiel, der mal zu einem der besten Anti-Rassismus Sketche geadelt wurde?
Der Sketch, der der sich auf Anthony Yeboah bezog, einen der ersten afrikanischen Stars der Liga Anfang der 1990er Jahre tut weh. Heute vielleicht mehre als früher, weil wir nur anti-rassistisch sein konnten, indem wir eins zu eins gezeigt haben, was sich auf der Tribüne abgespielt hat. Hass und Häme und das Werfen von Bananen. Yeboah fands klasse, viele im Publikum heute leider nicht mehr.
Kommen auch mal Eintracht Stars vorbei, du hast das Stück ja schon zwei dutzendmal gespielt im letzten Jahr?
Nein, das sind so ganz junge Spieler, die zum Teil vielleicht gar nicht gut Deutsch sprechen, die haben keine zwei Stunden Geduld für Theater. Ich verstehe ich aber Sebastian Rohde und Timothy Chandler nicht, die kommen sogar auf der Leinwand vor. Wenn ich die treffe, sage ich immer, ihr müsst mal kommen und sehen, wie die Leute nicht im Stadion sondern auf der Leinwand auf euch reagieren. Nämlich super.
Worauf freust Du Dich jetzt im Sommer und Herbst am meisten?
Wir sind eine echte Adlerherzen Family geworden, die Stimmung ist super gut, alle verstehen sich ja, das ist nicht selbstverständlich, denn die Crew kommt ja aus völlig unterschiedlichen Ecken. Das reicht mir dicke, wenn die Auftritte so laufen wie Ende letzten Jahres und im Frühjahr, wenn wir das Level halten können wäre ich mega happy.
Adlerherzen, eine humorvolle und emotionale Hommage an Eintracht Frankfurt und vor allem die Eintracht Fans. Eine Mischung aus Comedy, live Musik und echter Fußball Leidenschaft voller typischer Eintracht Geschichten und skurrilen Charakteren. Mit dem Musical Director Ali Neander, mit dem Autor und Macher Henni Nachtsheim uva.
Neue Adlerherzen Termine:
28.08. Erwin Piscator Haus Marburg
29.08. Erwin Piscator Haus Marburg
18.09. Josef-Kohlmaier-Halle Limburg
19.09. Josef-Kohlmaier-Halle Limburg
